SCHMERZTHERAPIEZENTRUM
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Facettengelenkssyndrom

Synonyme (= wie diese Krankheit sonst noch bezeichnet wird): Facettengelenkssyndrom, Zwischenwirbelgelenkarthrose, Spondylarthrose, Facettensyndrom, Facettengelenkarthrose, Wirbelgelenkarthrose

Als Facettengelenkssyndrom bezeichnet man ein Schmerzsyndrom, das durch Degeneration der Wirbelgelenke, genauer gesagt durch Degeneration (Arthrose) der sog. kleinen Zwischenwirbelgelenke (Facettengelenke) entsteht, die sog. Spondylarthrose. Häufig ist der Bereich der Lendenwirbelsäule betroffen, man bezeichnet dies dann als lumbales Facette nsyndrom bzw. lumbales Facettengelenkssyndrom.

Das Facettengelenkssyndrom ist eine relativ häufige Erkrankung, die auch junge Patienten treffen kann. Ganz allgemein gesprochen äußert sich diese Erkrankung durch Schmerzen im Bereich des Rückens, aber nicht jeder Rückenschmerz ist ein Facettengelenkssyndrom, so dass eine eingehende Diagnostik unerlässlich ist, zumal Bandscheibenprobleme (Bandscheibenvorwölbungen, Bandscheibenvorfälle) ähnliche Beschwerden hervorrufen können.

Beim Facettengelenkssyndrom kommt es zu Schmerzen im Bereich der Wirbelsäu le, bei Befall der (mittleren und unteren) Halswirbelsäu le (zervikales Facettengelenkssyndrom) aber auch zu Ausstrahlungen in Schulter, auch Schulterblätter und Arme. Ein lumbales Facettengelenkssyndrom (kommt am häufigsten vor) kann ins Gesäß, in die Lende und/oder in die Oberschenkel bzw. Bei ne ausstrahlen, ein- oder beiderseitig. Das (seltene) thorakale Facettengelenkssyndrom kann sich im Brustkorb bemerkbar machen. Auch Leistenschmerzen können Ausdruck eines Facet tensyndroms sein.
Die Betroffenen beklagen lokalisierbare Rückenschmerzen im betroffenen Bereich der häufig auch durch Druck ausgelöst werden kann, der Schmerz wird z. T. als diffus-flächig, tief und manchmal stechend bzw. brennend beschrieben. Die Schmerzen sind oft abhängig von der Körperhaltung, d. h. langes Sitzen oder Stehen kann problematisch werden. Abends sind die Symptome manchmal stärker.

Diagnostik bei Verdacht auf ein Facettengelenkssyndrom

Zur eindeutigen Feststellung stehen Röntgen und Computertomographie bzw. Kernspintomographie (MRT) im Vordergrund. Der Beweis für ein Facet tensyndrom als Schmerzursache, ist letztlich nur durch den Erfolg einer probatorischen (= zur Sicherung der Diagnose durchgeführten) Facetten-Betäubung mit einem örtlichen Betäubungsmittel zu erbringen.

Die Ausbildung eines
Facettengelenkssyndrom s wird u. a. durch Übergewicht, Bewegungsarmut (Autofahren, Fernsehen) und Fehlhaltungen (Schreibtisch, Handwerk, etc.) begünstigt. Die Folge davon ist nämlich eine Überlastung und damit ein Verschleiß der Bandscheiben was wiederum zu einer stärkeren Druckbelastung der kleinen Wirbelgelen ke führt. Diese degenerieren mit der Zeit so daß eine Arthrose die Folge ist.
Entzündliche Einflüsse (z. B. rheumatischen Erkrankungen oder Abszesse) können ein Facettens yndrom ebenfalls begünstigen.

Der Begriff Facettengelenkssyndrom wird dann angewendet, wenn sich die Facettengelen1karthrose als eigenständige Krankheit etabliert und nicht mit anderen Krankheitsbildern einhergeht.

Selten treten Facettengelenkssyndrom e im Rahmen einer Tuberkulose auf. Ausgeschlossen werden sollten bösartige Tumoren oder Metastasen (Tochtergeschwülste).

Medikamentöse Schmerztherapie:
Akut (= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheumamittel), aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und magenschonende wie z.B. Meloxicam. Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskelrelaxanzien (= Mittel zur Entspannung von Muskeln) (z.B. Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die Schmerz zustände nur mit zentral wirkenden Analgetika ((z.B. Tramadol, Tilidin, Oxycodon (Tilidin oder Oxycodon auch mit Naloxon) oder Morphin)) (= im Gehirn bzw. Rückenmark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei diesen Schmerzen eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Abhängigkeit vermieden werden. Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (= Mittel gegen Depression, aber auch bei chronischen Schmerzen hilfreich) (z.B. Doxepin, Maprotilin) oder Neuroleptika hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika):
Bei anhaltenden Rückenschmerzen sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockaden.

Infiltrative Lokalanästhesie (= Infiltration mit einem örtlichen Betäubungsmittel):
Die einfachste diesbezügliche Therapie besteht in einer (engmaschig) wiederholten örtlichen Infiltration der meist verspannten, an die Wir
belsäule angrenzenden Muskulatur. Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus. Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten (= kleine Reizzonen hpts. in der Muskulatur) nach vorheriger Identifizierung derselben.

Periphere temporäre (= oberflächliche, zeitlich begrenzte) Nervenblockaden:
Zur Unterbrechung segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Therapie von Schmerzausstrahlungen eignen sich beim
Facettengelenkssyndrom engmaschig wiederholte Blockaden (= Betäubungen) der korrespondierenden Nervenwurzeln (= im Schmerzbereich befindliche Nervenaustrittstellen neben der Wirbelsäule).
Schmerzausstrahlungen in Schulter, auch in die Arme
, wie sie beim zervikalen (= den Halsbereich betreffenden) Facettengelenkssyndrom in typischer Weise vorkommen, sprechen zufriedenstellend auf die wiederholte hohe Blockade des Pl exus brach ialis (= Betäubung des Armnervengeflechts im seitlichen Halsbereich) nach Winnie an. Technisch risikoärmer und oft besser wirksam ist jedoch die kontinuierliche, retrograd hohe Blockade des Plexus brachialis mit Katheter (*siehe unten). Die kontinuierliche inters kalenäre Blockade ist mit einem höheren Risiko behaftet.
Periphere
(= oberflächliche) Schmerzprojektionen entlang der Interkostalner ven (= Zwischenrippenner ven) beim thorakalen (= den Brustbereich betreffenden) Facettengelenkssyndrom sprechen gut auf engmaschig wiederholte Interkostalblockaden mit einem örtlichen Betäubungsmittel an. In hartnäckigen Fällen kann die Blockadefrequenz durch Implantation eines Katheters (* siehe unten) erhöht werden.
Im Bereich der Be
ine können bei entsprechender Schmerzausstrahlung (= Schmerzen die auf eine tatsächlich oder scheinbar geschädigte Ner venwurzel zurückzuführen sind) der vordere Oberschen kelnerv (N. femoral is) und / oder der Isch iasnerv wiederholt blockiert werden, in hartnäckigen Fällen mit Katheter (* siehe unten).

Eine Perid uralblockade (= rückenmarknahe Betäubung) im Bereich der Brut- oder Halswirbelsäule erfordert ein strenge Nutzen-/Risikoanalyse. Die wiederholte lumbale Periduralblockade (= rückenmarknahe Betäubung im Lendenbereich), insbesondere kontinuierlich mit Katheter*, ist bei Rückenschmerzen bzw. Kreuzschmerzen eine sehr effektive Therapiemaßnahme, die allerdings nur unter stationären Bedingungen durchgeführt werden sollte. Bei technischer Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das Risiko bei der Indikation (= Anzeige) "Rückenschmerzen" als vertretbar eingestuft werden.
Wenn eine Perid
uralblockade technisch schwer oder nicht durchführbar ist (z.B. bei Mißbildungen, Zustand nach operativer Wir belsäulenversteifung usw.), bietet sich besonders bei Störungen im Bereich des Pl exus sacral is (= Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbeins) die sog. Kaudalanästhesie (= rückenmarknahe Betäubung durch einen Kanal im Kreuzbein hindurch) an, die auch mit Katheter* möglich ist, sofern dieser wegen der der Gefahr einer En tzündung seitlich unter der Haut mittels einer Untertunnelung weggeführt wird. Erhöht man die Menge des örtlichen Betäubungsmittels (z.B. 20-25ml Bupivacain 0,1 bis 0,15 %) kann auch der obere Le ndenbereich erreicht werden.
Statt mit einem örtlichen Betäubungsmittel können die aufgeführten, rückenmarknahen Blockaden auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt werden, allerdings ist dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit hinaus anhaltende Wirkung deutlich weniger ausgeprägt.
Bei sehr schweren und sonst kaum behandelbaren Rüc kenschmerzen kann zur Durchführung rückenmarknaher Blockaden auch eine kleine Schmerzpumpe unter die Haut gepflanzt werden. Das Arzneimittelreservoir der Pumpe wird dann in bestimmten Zeitabständen durch die Haut hindurch mit Hilfe einer Spritze wieder aufgefüllt.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch vorübergehend (ca. 10-14 Tage) dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die durch entzündliche aber auch degenerative Prozesse (Facet tensyndrom !) entstanden sind, hilfreich ist.

Physikalische Therapie:
Auch die Elektrostimulation kann eine Beschwerdelinderung herbeiführen.
Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig neben der Wir
belsäule im Schmerzbereich aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden.
Die elektrische epidurale Rückenmarksstimulation erfordert eine strenge Patientenauswahl. Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist bei Rückenschmerzen die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist. Manche Patienten mit einem
Facet tensyndrom empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls Rückenschmerzen lindern.
Die Verordnung von Massagen ist auch beim
Facet tensyndrom nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es, die Muskulatur neben der Wir
belsäule zu trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige/suffiziente Mus kulatur eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans kompensieren kann.
Die Magnetfeldtherapie kann beim Facet tensyndrom ebenfalls lindernd wirken.

Andere Therapiemaßnahmen:
Langzeiterfolge durch Thermokoagulation (= Verkochung / Zerstörung mit Hochfrequenzstrom) der Facet ten sind bei Rüc kenschmerzen nicht gesichert.
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur nicht unerwähnt bleiben.
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie bzw. (Rückenschule)). Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur Lockerung der Mus
kulatur erlernen.
Die Verordnung von Hilfsmitteln wie z.B. stabilisierende Korsette sollten dem Orthopäden vorbehalten sein.
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind auch beim Facettengelenkssyndrom eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären Entspannung führen, ebenso Biofeedback (= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).

Bei einem längerfristig bestehenden Facettengelenkssyndrom ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

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